Chartsoftware: Zeiträume, Skalen und Indikatoren verstehen
Ein Chart wird erst lesbar, wenn Sie wissen, welche Kursreihe und welches Zeitintervall er zeigt. Wählen Sie zunächst Aktie und Börsenplatz, dann den Zeitraum und die Kerzeneinheit. Eine Tageskerze fasst die Eröffnung, das Hoch, das Tief und den Schlusskurs des jeweiligen Tages zusammen; eine Stundenkerze zeigt dieselben vier Werte für das gewählte Stundenintervall. Werden Handelsplatz, Währung oder Datenbereinigung gewechselt, kann dieselbe Aktie einen anderen Verlauf darstellen.
Kursreihe, Börsenplatz und Zeitintervall festlegen
Ein Symbol kann an mehreren Börsen notiert sein. Die jeweilige Notierung kann sich hinsichtlich Handelszeiten, Währung, Liquidität und letzten Transaktionen unterscheiden. Die Chartkopfzeile zeigt, ob der gewünschte Primärmarkt oder ein anderer Handelsplatz ausgewählt ist. Dazu gehört auch die Zeitzone: Der angezeigte Tageswechsel richtet sich nach dem Datenfeed und der Börsenzeit. So entstehen verständliche Abweichungen, wenn Charts verschiedener Plattformen scheinbar unterschiedliche Tageshochs zeigen.
Der Zeitrahmen bestimmt, wie viele Beobachtungen eine Kerze bündelt. Für langfristige Kursphasen helfen Wochen- oder Monatskerzen, weil einzelne Handelstage weniger Raum einnehmen. Tageskerzen eignen sich, um Tagesverläufe zu vergleichen. Intraday-Intervalle zeigen kürzere Schwankungen, benötigen aber entsprechend genaue Daten. Legen Sie vor dem Vergleich zweier Charts dasselbe Intervall und denselben Zeitraum fest. Sonst sehen Sie unterschiedliche Aggregationen und können Muster oder Abstände falsch deuten.
Candlesticks liefern vier Kurswerte je Periode
Eine Standardkerze zeigt Open, High, Low und Close (OHLC): Eröffnung, höchster, niedrigster und letzter Kurs im Intervall. Der Kerzenkörper reicht zwischen Eröffnung und Schluss, die Dochte markieren Hoch und Tief. Eine steigende Farbe bedeutet in der üblichen Darstellung, dass der Schlusskurs oberhalb der Eröffnung liegt; die genaue Farbwahl ist anpassbar. Die TradingView-Dokumentation zu Hohlkerzen beschreibt, wie Körper und Schatten die vier Kurswerte pro Zeitabschnitt abbilden.
Eine Kerze zeigt den Pfad zwischen diesen Werten nicht. Wenn der Kurs innerhalb eines Tages erst das Hoch und danach das Tief erreicht oder umgekehrt, sind diese Abläufe aus einer einzelnen Tageskerze nicht erkennbar. Bei kleinen Zeitfenstern kann die Anzeige zudem von der Datenqualität und den verfügbaren Trades abhängen. Lesen Sie deshalb ein Kerzenmuster als Zusammenfassung eines gewählten Intervalls und nicht als vollständige Chronik aller Transaktionen.
Lineare und logarithmische Skala geben unterschiedliche Abstände
Auf einer linearen Skala entsprechen gleiche vertikale Abstände gleichen absoluten Kursänderungen. Ein Anstieg von 10 auf 20 Euro beansprucht daher denselben Abstand wie ein Anstieg von 100 auf 110 Euro, obwohl die prozentuale Veränderung unterschiedlich ist. Eine logarithmische Skala bildet gleiche prozentuale Änderungen in gleichen Abständen ab. Sie erleichtert den visuellen Vergleich langfristiger Wachstumsraten, während die lineare Skala absolute Preisabstände anschaulicher macht. Vergewissern Sie sich beim Chartvergleich über die gewählte Skala, denn ein Wechsel verändert den optischen Eindruck der Steigung.
Das Volumen zeigt das gehandelte Stück- oder Kontraktvolumen nach der Darstellung der jeweiligen Börse oder Datenplattform. Es ist kein direkter Nachweis für Käufe oder Verkäufe einer bestimmten Anlegergruppe: Zu jedem ausgeführten Handel gehören Käufer und Verkäufer. Vergleichen Sie Volumenspalten nur mit derselben Einheit, demselben Markt und einer passenden Periode. Bei unterschiedlichen Börsenplätzen kann das sichtbare Volumen nur einen Ausschnitt des Handels abbilden.
Indikatoren als berechnete Beschreibungen einordnen
Ein gleitender Durchschnitt fasst Kurse über eine festgelegte Zahl von Perioden zusammen. Ein längerer Durchschnitt reagiert langsamer auf neue Kurswerte als ein kurzer. Die Periodenlänge und die verwendete Preisreihe müssen deshalb zum Vergleich passen. Wenn Kurs und Durchschnitt auseinanderlaufen, ist das eine Beschreibung ihrer jüngsten Entwicklung; die Kennlinie enthält keine eigenständige Aussage über künftige Kurse.
Der Relative-Stärke-Index (RSI) berechnet die Stärke jüngster Aufwärts- und Abwärtsbewegungen innerhalb eines eingestellten Fensters und wird als Oszillator dargestellt. Anwender sehen häufig Bereiche nahe 70 und 30 als Hinweise auf starke Bewegungsphasen. Diese Schwellen sind Interpretationshilfen und keine automatische Kauf- oder Verkaufsauslösung. Trend, Zeitraum und Volatilität beeinflussen, wie ein solcher Messwert im konkreten Chart aussieht.
Mehrere Indikatoren können dieselbe Kursbewegung nur unterschiedlich umformen. Zwei Momentum-Oszillatoren und mehrere ähnliche Durchschnitte erhöhen dann die Zahl der Signale, ohne eine unabhängige Information hinzuzufügen. Beginnen Sie mit der Frage, welche Beobachtung fehlt, und ergänzen Sie höchstens eine Kennlinie, die genau diese Frage beschreibt. Notieren Sie Parameter, damit ein Vergleich am Folgetag reproduzierbar bleibt.
Kursbereinigung mit der Depotbuchung abgleichen
Nach einem Aktiensplit sinkt der rechnerische Kurs je Anteil, während die Zahl der Anteile steigt. Eine unbereinigte historische Reihe kann an diesem Datum deshalb einen steilen Sprung nach unten zeigen. Eine splitbereinigte Reihe passt frühere Kurse an, damit die Preisentwicklung auf vergleichbarer Anteilbasis dargestellt wird. Dividendenbereinigte Kurse gehen weiter: Je nach Datenanbieter werden Ausschüttungen einbezogen, um eine Ertragsreihe zu bilden. Das ist nicht derselbe Wert wie der tatsächlich handelbare Kurs am damaligen Tag.
Bei einer Aktienanalyse mit Software werden Kursbeobachtungen, Unternehmensdaten und eigene Annahmen getrennt dokumentiert. Für vergleichbare Preisreihen zählen insbesondere die Bereinigungen historischer Kurse um Splits und Dividenden; die persönliche Depotbewertung verwendet dazu passende Marktpreise und separat erfasste Ertragsbuchungen.