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Historische Kursdaten: Splits, Dividenden und Datenlücken

„Historischer Kurs“ kann einen tatsächlichen Schlusskurs, einen splitbereinigten Wert oder eine um Ausschüttungen angepasste Reihe meinen. Diese Reihen sind für unterschiedliche Fragen geeignet. Für einen historischen Börsenpreis benötigen Sie den Kurs des damaligen Handelsplatzes und Datums; für einen langfristigen Performancevergleich kann eine bereinigte Reihe geeigneter sein. Lesen Sie deshalb zuerst die Definition der Datenfelder, bevor Sie eine Datei in Chartsoftware, Tabellenkalkulation oder Backtest laden.

Open, High, Low, Close und Adjusted Close auseinanderhalten

Bei einer OHLC-Reihe steht Open für den ersten, High für den höchsten, Low für den niedrigsten und Close für den letzten erfassten Kurs einer Periode. Bei einem Tageschart ist Close typischerweise der Tagesendkurs der jeweiligen Kursquelle. Ein Latest- oder Last-Wert kann dagegen den zuletzt verfügbaren Handel wiedergeben und muss nicht mit dem offiziellen Schlusskurs übereinstimmen. Portfolio Performance beschreibt historische Kurse als zeitbezogene Börsenpreise und unterscheidet Open, High, Low, Close und Latest.

„Adjusted Close“ wird nicht von allen Anbietern gleich verwendet. Häufig passt der Anbieter frühere Kurse an Splits und zusätzlich Dividenden oder Kapitalausschüttungen an. Ein anderer Dienst kann eine Anpassung nur für Splits ausweisen. Lesen Sie daher Feldbeschreibung und Anbieterhinweise. Wenn die Rechenmethode unbekannt ist, benennen Sie die Spalte neutral als Kursreihe des Anbieters und rechnen keine vermeintliche Gesamtrendite daraus ab.

Behalten Sie daneben die rohe Marktpreisreihe. Eine bereinigte Reihe ist eine mathematische Rückrechnung auf frühere Beobachtungen, keine nachträgliche Notierung, zu der damals gehandelt werden konnte. Bei Vergleichen können Sie sie bewusst einsetzen, aber für eine historische Order oder persönliche Transaktionsabrechnung brauchen Sie Datum, Handelsplatz und damaligen Preisbezug.

Splits und Dividenden verändern Reihen verschieden

Bei einem Split, etwa zwei neue Aktien für eine alte, verdoppelt sich die Stückzahl und der rechnerische Preis je Aktie halbiert sich. Der Gesamtwert der Beteiligung ändert sich durch dieses Verhältnis allein nicht. Ein unbereinigter Chart zeigt einen deutlichen Kursbruch am Wirksamkeitstag; eine splitbereinigte Historie rechnet frühere Preise auf die neue Stückelung um. Auch frühere Stückzahlen können in einer Software rückwirkend angepasst dargestellt werden. Portfolio Performance dokumentiert diese Besonderheit für seine Splitfunktion.

Eine Dividende ist eine Auszahlung an Aktionäre und verändert die Aktie rund um den Ex-Tag typischerweise im Marktpreis. Ein Total-Return- oder dividend-adjusted Kurs kann die Ausschüttung wiederanlegen oder rechnerisch berücksichtigen; eine gewöhnliche Schlusskursreihe zeigt dagegen die notierten Preise. Wenn Ihre Depotbuchhaltung die Dividende separat erfasst und Sie zusätzlich eine Total-Return-Reihe als Depotwert verwenden, zählen Sie den Ertrag möglicherweise doppelt. Verwenden Sie Schlusskurse plus separat gebuchte Zahlungsströme für eine Bestandsrechnung oder eine klar definierte Gesamtrenditeserie für einen entsprechenden Performancevergleich.

Auch Bezugsrechte, Spin-offs, Übernahmen und Rückzahlungen können historische Preise beeinflussen. Trennen Sie dabei den realen Marktpreis des Wertpapiers von der technischen Anpassung des Datenlieferanten. Für einen Backtest zählt, welche Informationen und Kurse am simulierten Tag verfügbar waren. Für die Performanceauswertung zählen zusätzlich die tatsächlich gebuchten Zahlungsströme und erhaltenen Wertpapiere.

Zeitstempel, Zeitzone, Börse und Währung festhalten

Jede Beobachtung braucht ein Datum und einen Bezug zum Markt: Börsenplatz, Währung, Zeitintervall und möglichst einen Zeitstempel. Ein Tageswert kann je nach Datenfeed der Börsenzeit, einer lokalen Zeitzone oder einer UTC-Grenze zugeordnet werden. Bei weltweit gehandelten Titeln und unterschiedlichen Feiertagen kann dadurch ein Datensatz im Kalenderdatum abweichen. Vergleichen Sie Serien erst, wenn der Tagesabschluss nach derselben Marktlogik zugeordnet ist.

Die Währung kann die Auswertung verändern. Ein lokaler Kurs in Yen bleibt nicht identisch mit einem in Euro umgerechneten Wert. Ebenso unterscheidet sich ein offizieller Abrechnungskurs des eigenen Brokers von einem historischen Referenzwechselkurs. Portfolio Performance weist in seiner Dokumentation darauf hin, dass historische Wechselkursreferenzen von tatsächlich durch Broker oder Bank verwendeten Transaktionskursen abweichen können. Speichern Sie deshalb Währung und Wechselkursbasis neben dem Kurs.

Datenlücken, Nullwerte und Delistings untersuchen

Ein fehlender Handelstag, ein Feiertag und ein nicht geladener Kurs sind unterschiedliche Sachverhalte. Eine leere Zelle bedeutet nicht automatisch, dass der Preis null war. Null kann ein echter eingetragener Wert oder ein Platzhalter für fehlende Daten sein. Ordnen Sie eine Lücke anhand von Handelskalender und benachbarten Werten ein. Verwenden Sie keine automatische Nullfüllung: Sie könnte einen künstlichen Kurssturz erzeugen. Eine Fortschreibung des letzten Kurses sollte als Schätzung markiert werden.

Ein delisteter Titel verschwindet häufig aus aktuellen Suchlisten, bleibt aber für historische Auswertungen bedeutsam. Fehlen solche Unternehmen im Datensatz, ist ein Backtest des heutigen Universums nach hinten verzerrt. Halten Sie deshalb Universum und Delisting-Ereignisse fest. Bei auffälligen Sprüngen untersuchen Sie erst Splits, Dividenden, Notierungswechsel und Handelsunterbrechungen, bevor Sie die Datenzeile als Fehler entfernen.

Die richtige Kursreihe für die konkrete Aufgabe wählen

Für ein Tageschart zur Kursentwicklung kann eine splitbereinigte Close-Reihe sinnvoll sein; für eine Abrechnung zählen tatsächlicher Ausführungskurs, Handelstag und die zugehörigen Abrechnungsdaten; für einen Gesamtrenditevergleich eine eindeutig definierte, ausschüttungsbereinigte Reihe. Exportieren Sie immer Kennung, Zeitstempel, Börse, Währung, OHLC-Felder und Anpassungsdefinition. Wenn Datenanbieter ihre rückwirkenden Korrekturen ändern, macht dieser Export die verwendete Grundlage später nachvollziehbar.

Für Chartvergleiche hilft eine einheitliche Skala und Bereinigungsart, wie bei den Zeiträumen und Chart-Einstellungen beschrieben. Wer historische Kurse in einer Regelprüfung einsetzt, kann die Folgen für Backtests und Ausführungszeitpunkte nachvollziehen. Eine nachvollziehbare Aktienanalyse mit Software verbindet Fragestellung, Datenstand und dokumentierte Berechnungen.