Skip to content

Fundamentaldaten mit Aktien-Software vergleichen

Damit zwei Aktienkennzahlen vergleichbar sind, müssen Zeitraum, Währung, Einheit und Ergebnisdefinition zusammenpassen. Beginnen Sie in der Software deshalb nicht mit dem Ranglistenwert, sondern mit den Feldern hinter der Kennzahl: Geschäftsjahr oder rollierende zwölf Monate, berichtetes oder bereinigtes Ergebnis, tatsächlicher oder geschätzter Wert sowie Datenstichtag. Ein niedrigeres KGV ist erst dann aussagekräftig, wenn beide Unternehmen nach derselben Logik ausgewiesen werden und die Geschäftsmodelle sinnvoll vergleichbar sind.

Vergleichsbasis vor dem Kennzahlenwert festlegen

Notieren Sie für jede Kennzahl mindestens das Geschäftsjahr, den Zeitraum und das Abrufdatum. Ein Jahresumsatz für ein am 30. September endendes Geschäftsjahr ist nicht automatisch mit einem Kalenderjahr vergleichbar. Dazu kommt der Zeitpunkt der Veröffentlichung: Ein Datenanbieter kann für ein Unternehmen bereits den neuen Jahresbericht eingespielt haben, während bei einem Wettbewerber noch die Vorjahresdaten angezeigt werden. Eine Ansicht mit identischem Stichtag oder explizit ausgewähltem Geschäftsjahr macht diesen Unterschied sichtbar.

Vergleichen Sie außerdem die Rechnungslegungsbasis. IFRS und US-GAAP sind Regelwerke zur Rechnungslegung, keine austauschbaren Etiketten für einheitliche Kennzahlen. Software kann ausgewiesene Werte, Anbieteranpassungen und Schätzungen nebeneinander führen. Die Feldnamen „reported“, „adjusted“, „normalized“ oder „estimate“ bezeichnen daher verschiedene Datenarten. Halten Sie in Ihrer Notiz fest, welche Variante Sie gewählt haben, statt einen Zahlenwert ohne seine Definition zu übernehmen.

Umsatz, Gewinn und Marktkapitalisierung müssen in derselben Währung und kompatiblen Einheiten vorliegen. Ein Umsatz in Millionen US-Dollar darf nicht unmittelbar neben einem Wert in Milliarden Euro ausgewertet werden. Achten Sie auf Darstellungsoptionen wie EUR, USD, Tausend oder Million und behalten Sie den Umrechnungstag im Blick: Umgerechnete Jahreswerte können mit einem Jahresendkurs oder einem Durchschnittskurs berechnet sein. Der Kurs kann den Vergleich spürbar verändern, obwohl die Unternehmenszahlen unverändert sind.

Ergebnisarten und rollierende Zeiträume auseinanderhalten

Ein Gewinn je Aktie kann auf dem den Stammaktionären zurechenbaren Gewinn, einer verwässerten Aktienzahl oder einer vom Datenanbieter angepassten Ergebnisgröße beruhen. Auch „bereinigt“ ist keine überall identische Berechnung: Ein Unternehmen kann bestimmte Sonderposten ausschließen, ein Datenanbieter weitere Positionen herausrechnen. Legen Sie daher fest, ob Ihre Ansicht berichtete oder bereinigte Zahlen zeigt, und vergleichen Sie für beide Titel dieselbe Kennzahlenfamilie. Die Abweichung selbst ist ein nützlicher Befund, wenn einmalige Effekte die Ergebnisse prägen.

TTM bedeutet „trailing twelve months“ und fasst die jeweils letzten zwölf Monate zusammen. Es ist damit ein rollierender Zeitraum und nicht zwingend das zuletzt abgeschlossene Geschäftsjahr. Nach einem Quartalsbericht kann TTM vier zuletzt veröffentlichte Quartale umfassen, während die Jahresansicht den letzten geprüften Geschäftsbericht abbildet. Beim Vergleich in der Software dürfen diese Ansichten nicht unbemerkt gemischt werden. Ein Feld „FY1“ kann zudem eine Schätzung für das nächste Geschäftsjahr statt eines realisierten Ergebnisses bezeichnen.

Wenn der Gewinn negativ oder sehr klein ist, wird ein gewöhnliches Kurs-Gewinn-Verhältnis negativ oder extrem groß. Ein negativer Wert ist keine günstige Bewertungsstufe, sondern zeigt, dass der Nenner kein positiver Gewinn ist. Bei einem Gewinn nahe null reagieren Multiples stark auf kleine Änderungen im Ergebnis. Nutzen Sie dann Umsatz- oder Unternehmenswertkennzahlen nur als zusätzliche Beschreibung und lesen Sie, welche Größen im Zähler und Nenner enthalten sind.

KGV und EV-Multiples nach ihrer Definition lesen

Das KGV stellt den Aktienkurs beziehungsweise die Marktkapitalisierung einem Gewinn je Aktie beziehungsweise dem den Aktionären zurechenbaren Gewinn gegenüber. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) entspricht der Marktkapitalisierung geteilt durch den Gesamtumsatz; je Aktie gerechnet ist es der Aktienkurs geteilt durch den Umsatz je Aktie. Verwenden Sie denselben Berichtszeitraum und dieselbe Währung. Enterprise Value, kurz EV, ergänzt den Börsenwert um Schulden und berücksichtigt Zahlungsmittel nach der jeweiligen Datenanbieterdefinition. Ein EV/EBITDA-Multiple vergleicht diesen Unternehmenswert mit dem Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Diese Kennzahlen beantworten unterschiedliche Fragen; ein EV-Multiple und ein KGV sind nicht direkt gegeneinander zu sortieren.

Wählen Sie die Vergleichsgruppe nach Branche und Ertragsmodell. Eine Bank, ein Softwareanbieter und ein Industrieunternehmen haben unterschiedliche Kapitalstrukturen und Kostenprofile. Auch innerhalb einer Branche zählen Geschäftsmodell, Wachstum und wiederkehrende Umsätze. Branchenmittelwerte sind ein Orientierungspunkt für die Auswahl des Samples, nicht automatisch ein fairer Sollwert. Ein sehr niedriger Wert kann mit sinkenden Gewinnen, höherer Verschuldung oder einer Veränderung des Geschäfts zusammenhängen.

Die Datenansicht in wenigen Schritten nachvollziehbar machen

Eine belastbare Softwareansicht lässt sich reproduzieren: Wählen Sie zwei bis fünf vergleichbare Unternehmen; blenden Sie Kennzahl, Periode, Währung und Datenstand ein; markieren Sie reported, adjusted oder estimate; und exportieren Sie zusammen mit den Spaltenüberschriften. Öffnen Sie anschließend für auffällige Werte den zugrunde liegenden Geschäftsbericht. Für die einzelnen Kennzahlen sind die zugehörigen Berichtszeilen und ihre Definitionen maßgeblich. Vergleichen Sie nicht nur eine Momentaufnahme, sondern halten Sie fest, ob Umsatz und Ergebnis über mehrere Jahre in dieselbe Richtung laufen.

Ein kleiner Prüfsatz deckt viele Import- oder Anzeigeprobleme auf: Stimmen Geschäftsjahresende, Währung, Einheit und Ergebnisart? Ist das Feld eine tatsächliche Zahl oder eine Schätzung? Ist der Gewinn positiv? Passt der Multiplikator zur Branche und zur Frage? Bei Differenzen zwischen Finanzbericht und Software notieren Sie beide Werte mit Bezeichnung und Veröffentlichungsstand, statt den einen stillschweigend zu überschreiben.

Vergleichbare Perioden und Ergebnisdefinitionen bilden die Grundlage einer nachvollziehbaren Aktienanalyse mit Software. Zusätzliche Beobachtungen aus Kurscharts werden mit einem einheitlichen Zeitraum, derselben Bereinigungsart und einem dokumentierten Handelsplatz gegenübergestellt.