Aktienanalysen mit Tabellenkalkulation
Eine Tabellenkalkulation bleibt nachvollziehbar, wenn jede Zahl eine Kennung, Quelle, Einheit, Währung und einen Datenstand hat. Halten Sie übernommene Werte getrennt von Formeln und setzen Sie je Unternehmen eine eindeutige Kennung ein. So lässt sich erklären, ob eine Abweichung aus neuen Geschäftszahlen, einer Umrechnung oder einem Formelfehler stammt. Beginnen Sie mit einer kleinen Zahl von Kennzahlen, statt ein großes Modell ohne Kontrollpunkte zu bauen.
Spalten für Fakten und Herkunft anlegen
Ein zweckmäßiges Tabellenblatt enthält beispielsweise Unternehmen, ISIN, Börsenkürzel, Geschäftsjahresende, Kennzahl, Berichtsperiode, Wert, Einheit, Währung, berichtete oder angepasste Zahl, Quellenbezeichnung, Abrufdatum und Formelhinweis. Wenn ein Unternehmen mehrere Anteilsklassen oder Notierungen hat, führen Sie den Börsenplatz und die Wertpapierkennung mit. Ein kurzer Name als einziger Schlüssel kann bei Dubletten oder Namensänderungen zu falschen Zuordnungen führen.
Verwenden Sie getrennte Blätter für Rohdaten, Berechnungen und Ergebnisansicht. Formeln greifen dann auf dokumentierte Eingaben zurück, während Originalwerte erhalten bleiben. Verknüpfungen zwischen Tabellenblättern sind in Calc möglich und aktualisieren den Bezug, wenn der referenzierte Zellinhalt geändert wird; Microsoft beschreibt Zellbezüge ebenso als Weg, Werte zwischen Zellen und Tabellenblättern in Formeln einzusetzen. Markieren Sie die Herkunft in Überschriften oder durch eine sichtbare Legende, nicht nur durch Farbe.
Importierte Zahlen brauchen standardisierte Formate. Ein CSV mit Dezimalkomma kann beim Öffnen in einer Software mit Dezimalpunkt falsch als Text eingelesen werden. Auch Tausendertrennzeichen, UTF-8, Datumsreihenfolge und Anführungszeichen in Textfeldern beeinflussen den Import. Kontrollieren Sie nach dem Laden einige Zeilen mit den Originalangaben. Stellen Sie sicher, dass Datum als Datum, Zahlen als Zahlen und Kennungen als Text behandelt werden; führende Nullen einer ISIN oder Kennziffer müssen erhalten bleiben.
Eingabefelder und Berechnungen sichtbar trennen
Nutzen Sie klare Spalten oder Blätter für manuelle beziehungsweise importierte Eingaben und abgeleitete Werte. Überschreiben Sie Rohzahlen nicht mit berechneten Werten. Wenn eine Kennzahl aus mehreren Posten besteht, führen Sie die Formel und die zugrunde liegenden Zellen transparent. Ein kleines Formelregister kann Berechnungsname, Definition, verwendete Spalten und Einheit enthalten. Ändert sich eine Definition, bleibt erkennbar, welche Ergebniszellen betroffen sind.
Vermeiden Sie versteckte Konstanten in Formeln. Eine fest eingebaute Zahl wie ein Wachstumszeitraum oder ein Multiplikator ist später schwer zu ändern und zu erkennen. Legen Sie solche Annahmen in beschriftete Zellen mit Quelle und Datum ab und verweisen Sie in der Formel darauf. Die Excel-Hilfe erläutert Formeln als Kombination aus Funktionen, Bezügen, Operatoren und Konstanten; sie empfiehlt Zellbezüge, wenn veränderliche Werte wiederverwendet werden sollen.
Formeln mit bekannten Fällen und Randwerten testen
Eine Wachstumsrate berechnet sich als Endwert geteilt durch Anfangswert minus eins, sofern der Anfangswert positiv und als Basis sinnvoll ist. Ein Wachstum von 100 auf 110 ergibt 10 Prozent. Bei negativem Ausgangswert ist die übliche Wachstumsformel missverständlich. Sinkt der Verlust beispielsweise von −100 auf −80, beträgt die absolute Verbesserung 20; bezogen auf den Betrag des Ausgangsverlusts entspricht das einer Verlustverringerung um 20 Prozent. Das Vorzeichen bleibt negativ. Kennzeichnen Sie solche Fälle als Verlustverringerung und verwenden Sie eine eigene Vergleichslogik. Von einem Vorzeichenwechsel sprechen Sie nur, wenn der Wert tatsächlich von negativ zu positiv oder umgekehrt wechselt.
Division durch null ist nicht definiert. Behandeln Sie einen fehlenden oder nullwertigen Nenner bewusst, etwa mit einer leeren Ergebnisausgabe plus Hinweis „nicht berechenbar“, statt beliebige Ersatzwerte einzusetzen. Testen Sie eine Formel an mindestens drei Beispielen: einen normalen positiven Fall, Null als Nenner und einen negativen Ausgangswert. Bewahren Sie Testfälle in einem separaten Blatt, damit Änderungen an Formeln nicht unbemerkt alte Resultate verändern.
Vergleichen Sie Lookup-Ergebnisse mit einer manuellen Stichprobe. Ein exakter Abgleich auf ISIN oder eindeutiger Kennung ist meist aussagekräftiger als ein unscharfer Namensvergleich. Wenn ein Schlüssel doppelt vorhanden ist, kann die Suchfunktion den ersten Treffer zurückgeben und dabei eine zweite Aktie überdecken. Zählen Sie Duplikate und kontrollieren Sie Treffer und plausible Nichttreffer. Verwenden Sie beim Sortieren ganze Tabellenbereiche, damit Namen, Kennungen und Kennzahlen in derselben Zeile bleiben.
Sortierung und CSV-Export kontrollieren
Vor jedem Sortiervorgang wählen Sie die gesamte Tabelle einschließlich Kennung und Herkunftsspalten. Wird nur eine einzelne Kennzahlenspalte sortiert, gehört der Wert anschließend zum falschen Unternehmen. Filtern Sie keine Datenzeilen weg, bevor Sie wissen, ob eine Auswertung nur sichtbare Zeilen verwendet.
In Calc hängt die CSV-Ausgabe von der Anzeigeeinstellung ab: Bei ausgeschalteter Formelanzeige werden die berechneten Werte exportiert; bei eingeschalteter Formelanzeige können Formelausdrücke ausgegeben werden. Die Datei enthält das aktuelle Tabellenblatt, nicht Zellformatierungen oder die vollständige Arbeitsmappenstruktur. Kontrollieren Sie Trennzeichen, Dezimalzeichen, Zeichensatz, Anführungszeichen und Datumsformat in einer frischen Datei. Schreiben Sie eine Kopfzeile mit Feldnamen und Einheiten.
Verknüpfungen und aktive Inhalte bewusst behandeln
Externe Zellbezüge können Daten aus einer anderen Arbeitsmappe oder einer URL abrufen. Kontrollieren Sie vor einer Aktualisierung, welche Datei oder Internetadresse in der Formel steckt, und halten Sie nur notwendige Verbindungen aktiv. Öffnen Sie Arbeitsmappen aus unbekannten Quellen nicht mit unbedacht aktivierten Makros. Makros und externe Verknüpfungen können Aktionen oder Datenabrufe auslösen, die im normalen Tabelleninhalt nicht sichtbar sind. Geben Sie Finanzdateien nur an Personen oder Dienste weiter, die sie für die konkrete Aufgabe benötigen.
Für nachvollziehbare Datenerfassung eignet sich ein festes Quellenfeld samt Datum; die vergleichende Bewertung von Kennzahlen hilft der Vergleich von Fundamentaldaten mit gleicher Periode und Einheit. Für die Auswahl von Analysewerkzeugen ist der Einstieg Aktienanalyse mit Software relevant. Datenexporte und Dateiformate werden zusätzlich im Ratgeber Import, Export und Datenformate behandelt.